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    Interview: Wir wollten uns ein eigenes Bild machen

    Die geopolitischen Entwicklungen rund um den Iran haben in den vergangenen Wochen weltweit für Verunsicherung gesorgt – insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Nahen Osten.

    Als lokal verankertes Unternehmen erleben wir die Situation täglich vor Ort. Dennoch ist es uns wichtig, nicht nur unsere eigene Perspektive zu teilen, sondern auch eine unabhängige Einschätzung zu geben.

    Aus diesem Grund haben wir mit Bruno Marroni, langjähriger Dubai-Besucher, Immobilien-Investor aus der Schweiz und Kunde von Terra Nova, gesprochen. Seine Sicht als externer Beobachter gibt einen differenzierten Einblick in die aktuelle Lage.


    Interview mit Bruno Marroni (6. April 2026)

    Bruno Marroni (Jahrgang 1965) ist Geschäftsführer einer Pensionskasse. Seine Tätigkeit in der zweiten Säule hat er 1989 bei einer Schweizer Lebensversicherungsgesellschaft gestartet. Er ist eidg. dipl. Pensionskassenleiter und eidg. dipl. Sozialversicherungsexperte.

    Bruno, du bist trotz der Iran-Situation letzte Woche nach Dubai gereist, um die Umbauarbeiten an deiner Villa zu starten und auch ein paar Tage Ferien zu geniessen – was waren deine Überlegungen zu reisen?
    Meine Frau Julia und ich hatten unsere Flüge etwa einen Monat vor Beginn des Iran-Konflikts gebucht. Seit der Übernahme unseres Hauses im vergangenen November benötigen wir kein Hotel mehr.
    Der Schock sass tief, als wir in den Medien die Schäden durch herabfallende Trümmerteile gesehen haben. Für uns war zunächst unverständlich, warum die gesamte GCC-Region in den Konflikt hineingezogen wurde. Anfangs hofften wir, dass die Auseinandersetzung nur wenige Tage dauern und anschliessend Verhandlungen zwischen allen Parteien stattfinden würden. Doch dazu kam es nicht, und wir mussten uns ernsthaft die Frage stellen, ob die Reise für uns sicher genug ist.
    Hätten wir uns ausschliesslich auf die Schweizer Medien verlassen, hätten wir den Flug vermutlich einen Tag vor Abreise storniert. Da wir jedoch seit Jahren Freunde und Bekannte in Dubai haben, nahmen wir zunächst mit allen Kontakt auf, um zu erfahren, wie es ihnen geht und wie sie unsere Reisepläne einschätzen.
    Die Rückmeldungen waren durchweg positiv: Alle schilderten uns ihre persönliche Situation, und niemand riet uns von der Reise ab. Gleichzeitig wurde die Lage von keinem verharmlost. So beschlossen wir gemeinsam, einen Tag vor Abreise, dass wir den Flug mit Emirates von Zürich nach Dubai antreten werden.

    Wie erlebst du die aktuelle Stimmung hier in Dubai in diesen turbulenten Wochen?
    Nun, das Erste, was mir auffiel, war, dass der A380 doch zu etwa 60 % ausgelastet war – entgegen all den Nachrichten, die wir zuvor gelesen hatten. Fairerweise muss ich jedoch sagen, dass am Gepäckband in Dubai nur ein Bruchteil dieser Passagiere zu sehen war; viele waren offenbar Transitpassagiere.
    Hier in Dubai angekommen, wies mich mein Autovermieter lediglich darauf hin, dass ich nicht durch grosse Pfützen fahren solle, da es zuvor sehr stark geregnet hatte. Weitere Hinweise zur aktuellen Situation erhielt ich nicht. Auf den Strassen herrschte dennoch reger Verkehr. Auch in den Malls war das Treiben weitgehend „normal“ – lediglich dort, wo man üblicherweise viele Touristen antreffen würde, war es auffallend ruhig. Viele Hotels haben einige ihrer Restaurants nur noch am Wochenende geöffnet.
    Während wir miteinander sprechen, ertönt erneut ein Notfallalarm. Die Regierung von Dubai setzt sich sehr für die Sicherheit ihrer Bürger ein; die Warnmeldungen werden an alle Mobiltelefone in der jeweiligen Region gesendet. Etwa 15 Minuten später folgt bereits die Entwarnung mit der Mitteilung, dass die Situation wieder sicher ist.
    Familie und Freunde schreiben mir häufig in einem sehr besorgten Ton und möchten wissen, ob es uns gut geht. Dabei wird mir erst richtig bewusst, dass ich hier vor Ort nur wenig von diesen Sorgen spüre. Es ist schwer zu beschreiben, aber am ehesten würde ich die Stimmung als eine Art „beinahe Normalbetrieb“ bezeichnen.

    Spürt man als Immobilien-Investor bereits Auswirkungen der geopolitischen Lage auf den Dubai-Markt?
    Der Immobilienmarkt in Dubai ist sehr transparent, was grundsätzlich ein grosser Vorteil ist. Gleichzeitig kann es jedoch etwas ärgerlich sein, wenn gefühlt jeden zweiten Tag ein Immobilienmakler eine Nachricht schickt und fragt, ob ich kaufen oder verkaufen möchte.
    Ich nehme diese Anfragen inzwischen als eine Art Gradmesser für die Marktdynamik – und bislang haben sie kaum abgenommen.

    Bleibt Dubai deiner Meinung nach ein sicherer Hafen für Investoren?
    Das ist eine sehr schwierige Frage. Vieles hängt davon ab, wie lange der Konflikt noch andauert und wie er letztlich endet.
    Die Eindrücke, die ich in meinen ersten zehn Tagen hier in Dubai gewonnen habe, lassen mich jedoch an eine schrittweise Normalisierung des Marktes glauben. Die VAE haben in dieser Krisenzeit Stärke, Zusammenhalt und Fürsorge gezeigt – genau das macht dieses Land aus.

    Welche mittelfristige Prognose hast du für den Dubai-Immobilienmarkt in den nächsten 3 bis 5 Jahren? Planst du weitere Immobilien zu erwerben?
    Ein solcher Konflikt beziehungsweise die damit verbundenen Unsicherheiten können kurzfristig zu sinkenden Preisen führen. Aus meiner Erfahrung ist das jedoch völlig normal – Immobilienmärkte entwickeln sich zyklisch, und es kann nicht dauerhaft nur nach oben gehen, unabhängig vom jeweiligen Land.
    Es ist gut möglich, dass es in den kommenden Jahren zu einer moderaten Korrektur kommt. Genau darin kann jedoch auch eine Chance liegen.
    Ich persönlich werde die Entwicklung gemeinsam mit dem Team von Terra Nova Real Estate sehr genau beobachten und eine sich bietende Gelegenheit für einen Zukauf entsprechend nutzen.

    Die Aussagen von Bruno Marroni decken sich in vielen Punkten mit unseren täglichen Beobachtungen vor Ort:

    - Das öffentliche Leben in Dubai funktioniert weiterhin stabil 
    - Die Sicherheitsmassnahmen sind präsent und strukturiert 
    - Der Immobilienmarkt zeigt weiterhin Aktivität 
    - Kurzfristige Unsicherheiten sind vorhanden, jedoch keine strukturelle Schwäche erkennbar

    Gerade in solchen Phasen zeigt sich, wie resilient ein Markt wirklich ist. Zwischen internationalen Schlagzeilen und der tatsächlichen Situation vor Ort besteht aktuell eine gewisse Differenz.
    Gleichzeitig bleibt die weitere Entwicklung schwer abschätzbar und stark von den geopolitischen Rahmenbedingungen abhängig. Die Einschätzung eines unabhängigen Investors zeigt jedoch, dass sich Dubai aktuell weiterhin stabil und funktionierend präsentiert – auch wenn kurzfristige Unsicherheiten bestehen.